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Blogbeitrag zur ‚Freiheit statt Angst‘- Demo (FsA) am 30. August in Berlin

FsA – Nachlese
Ich wusste am Anfang der Woche nicht, wie mein Samstag aussehen würde. IT’ler müssen an Wochenenden des Öfteren arbeiten und die Wahrscheinlichkeit, dass dies auch für das letzte Augustwochenende zutreffen würde, war sehr hoch. Es kam diesmal jedoch anders, so dass ich am Freitagabend meiner besseren Hälfte verkündete: „Ich fahre nach Berlin zur Demo. Kommst du mit?“ Zwar lehnte sie dankend ab – jemand musste ja den Haushalt schmeißen – versuchte aber auch nicht, mich von meinem Trip nach Berlin abzuhalten. Sie weiß einfach, wann mir Dinge wichtig sind und es sich definitiv nicht lohnt, mit mir zu diskutieren. Und diese Demo WAR mir wichtig. 
Die Hallenser Mailingliste hatte die Information geliefert, dass ein Zug 10.15 Uhr gen Berlin abfährt und dass sich einige Piraten am Bahnhof  treffen würden. Um die anderen nicht zu verpassen, postierte ich mich vorsichtshalber ab 09.30 Uhr am Bahnhofseingang. Diese anderen erschienen gegen zehn; 4 Piraten und ein Hund. Damit war das erste Sammelticket verbraucht, so dass wir gezwungen waren, ein zweites zu ziehen. Eine Herausforderung, weil ich kein Plastikgeld bei mir hatte und diese DB-Automaten richtiges Geld nur in kleinen Dosen akzeptieren. Anne half aus – nochmals danke dafür. Pünktlich, 10.14 Uhr erreichten wir im Sprint den Zug und kamen auch pünktlich 13.00 Uhr in Berlin an. 
Die Straße hinter dem Brandenburger Tor machte auf den ersten Blick nicht den Eindruck, als würde sich hier eine größere Menschenmenge zu einer Demonstration zusammenfinden. Am Ende war die diesjährige FsA-Demo mit geschätzten 6.500 Teilnehmern tatsächlich eher überschaubar. Immerhin trafen wir ein paar andere Piraten aus LSA. Gefühlt waren die  LSA-Piraten von allen Landesverbänden am zahlreichsten vertreten, obwohl wir ein paar Leute nicht sahen, deren Kommen aufgrund ihrer plakativen Äußerungen zu FsA und anderen Themen angemessen gewesen wäre. Aber OK – es muss sich niemand entschuldigen. Es mag gute Gründe für das Nichtkommen gegeben haben und FsA 2015 kommt bestimmt. 
Die  Organisation der Demo empfand ich als verbesserungswürdig. Wir standen ungefähr anderthalb Stunden als Ordner an ein Plastikband gekettet um einen stehenden Piratenwagen herum. Das Absperrband sollte verhindern, dass jemand unter die Räder kommt – macht aber erst bei einem fahrenden Wagen Sinn. Lieber hätte ich die Zeit damit verbracht, mich mit den anderen LSA’lern, die man ja sonst nur von den ML’en kennt, zu unterhalten, vielleicht auch, um ein paar Missverständnisse zu klären. Den Jungs, die uns nach unserer Ankunft sofort als Ordner requiriert hatten, kann man diese Standzeit wohl nicht alleine anlasten. Es war mal wieder ein Problem der Kommunikation. Irgendwie kommt mir das bekannt vor.
Ich hätte auch gern den Rednern zugehört, z.T. konnte man die aber nicht verstehen und z.T. wirkten sie ein wenig blass. Immerhin – der letzte Redner hat’s rausgerissen. Mit deutlichen Worten, die er im Gegensatz zu seinen Vorrednern auch deutlich betonte, hat er erläutert, worum es bei dieser Demo geht. 
Als sich der Zug dann endlich in Bewegung setzte, wurde sichtbar, welch bunte Mischung sich da zusammengefunden hatte, um der schlapphutfreundlichen deutschen Politik entgegenzuwirken. Viele Linke, die Grünen, Piraten (natürlich!), die Jungen Liberalen (nicht so natürlich, aber willkommen), Organisationen wie Amnesty International, Reporter ohne Grenzen und viele andere waren vertreten, um ein GEMEINSAMES Anliegen auf der Straße sichtbar zu machen. Aufgefallen ist mir ein geschniegelter und gebügelter Demonstrant mit einem Plakat, auf dem schlicht stand: „Unternehmer gegen Überwachung.“ Hätt‘ ich ja selbst sein können… also abgesehen davon, dass ich mir nur höchst selten einen Schlips umbinden lasse.
Diese bunte Mischung macht Hoffnung, dass es uns in der Zukunft gelingen kann, das Thema Überwachung und allgemeine staatliche Kontrolle stärker in den öffentlichen Fokus zu rücken. Die relativ geringe Anzahl von 6.500 Demonstranten ist jedoch gemessen an den Zahlen der vergangenen Jahre irgendwie ernüchternd. Gut – es gab eine Landtagswahl in Sachsen, die NRW-Piraten hatten ihren LPT und die Angst überwacht zu werden, ist wahrscheinlich in der aktuellen öffentlichen Wahrnehmung weit geringer, als die Angst vor den Konflikten, die gerade in verschiedenen Teilen der Welt aufgeflammt sind. Angst lähmt und daher kommt es umso mehr darauf an, sie zu bekämpfen – JEDE ART Angst. Wir müssen einfach `dranbleiben, dürfen nicht nachlassen in unserem Bemühen, den Menschen begreiflich zu machen, dass man etwas gegen die Angst tun kann und MUSS, bevor sie in Panik und Gewalt umschlägt. 
Die Demo verlief absolut friedlich. Sie wurde von einem ansehnlichen Aufgebot an Polizisten begleitet und unter den Demonstranten gab es nach meiner Beobachtung keinerlei Gewaltpotential. Die Polizei musste dennoch einmal eingreifen; mit einem Feuerlöscher, als eine Lautsprecherbox in dem vor uns fahrenden Piratenwagen Funken schlug und schließlich in Flammen aufging. Ich fand das nicht sooo dramatisch, zumal ich den Baustellenlärm, den junge Leute heutzutage Musik nennen, nach Löschung des Brandes nur noch in halber Lautstärke (eine von zwei Boxen war noch intakt) ertragen musste. Immerhin obsiegte die  Schutzfunktion der Polizei in dieser Situation über die anderen Motive, aus denen die in grün und schwarz gekleideten Jungs und Mädels der Staatsmacht Spalier für uns standen. 
Nach der Demo und der Beräumung unseres Wagens war Erholung angesagt. Highlight des Abends; CBase, nahe S-Bahn – Station Jannowitzbrücke. So stellt man sich einen Piratenclub vor und dort scheint die Piratenpartei auch noch so zu funktionieren, wie es vor ein paar Jahren allgemein der Fall war. Angenehme, etwas rustikale Atmosphäre und auch ein paar tiefschürfende Gespräche. Es wäre schön, wenn wir auch im Allgemeinen da wieder hinkämen… 
Die Zugfahrt nach Halle von 00.25 Uhr bis 02.50 Uhr gestaltete sich weniger angenehm; Klappsitze und Fussballfans. Wahrscheinlich nehm‘ ich das nächste Mal doch das Auto, auch wegen der vielen Überwachungskameras in den Abteilen. Ich bin guter Hoffnung, dass ich ein paar Mitfahrer finden werde. Und ich hoffe insbesondere, dass die mich nicht nur deshalb begleiten werden, um meine Ökobilanz aufzuhübschen.
Tensor.

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